Neue böse Wesen und so - Kapitel 7

Sind denn alle um mich herum verrückt geworden?

„Okay, können wir?“ Emil wandte sich Martin zu, doch dieser machte keine Anstalten zu gehen.
„Einen Moment noch. Ich muss den Vorfall noch melden, damit jemand aufräumen kommt.“
Emil fragte sich, wie Martin das machen würde. Ob er Magie dafür benutzte?
Etwas enttäuscht musste Emil dann allerdings feststellen, dass Martin nur sein Handy herausholte und eine SMS tippte.
„Sie sollten gleich da sein“, sagte dieser, als er fertig war und das Telefon wieder in seiner Tasche verstaute.
„Das war alles?“, fragte Emil verdutzt.
„Ja das war alles.“ Martin lachte. „Einfache, unspektakuläre SMS. Aber wir müssen denke ich noch kurz warten. Sie werden mir sicher einige Fragen stellen wollen.“
„Wenn wir nicht gehen wollen, warum hast du dann Lilian weggeschickt?“ Emil war irritiert, hatte er sich eigentlich bereits darauf eingestellt jetzt zu Martin zu gehen.
„Meinst du es sieht gut aus, wenn sie als Dämon hier dran beteiligt war? Selbst wenn sie uns gerettet hat, sollte sie solange es geht unbeachtet bleiben. Die da oben wissen zwar vom Vorfall mit Marie, aber sie glauben, es wäre nur eine Kabbelei zwischen Jugendlichen gewesen.“ Martin senkte seine Stimme. „Genauso wenig wissen sie von deiner Quelle. Doch das hier ist leider ernst. Wenn ein Nekromant auf dich Jagd macht, dann geht er zu weit und muss gesucht werden.“
Emil verstand nicht viel davon, wie die Organisation bei allem magischem funktionierte, aber dennoch wusste Emil, was Martin damit meinte.
„Dass du darin involviert bist, müssen sie aber jetzt nicht direkt erfahren“, fuhr Martin fort. „Stell dich einfach so, als hätte ich dein Gedächtnis bereits gelöscht.“
Emil versuchte möglichst unauffällig drein zu gucken, doch es gelang ihm scheinbar nicht, denn Martin fügte grinsend hinzu: „Ach schau einfach wie sonst und reagiere nicht, wenn sie dich direkt ansprechen. Das sind Seher, also leg dir deine Antworten am besten direkt zurecht.“
Emil nickte, auch wenn er sich fragte, wie er das anstellen sollte. Kaum hatte Martin den Satz beendet, tauchten aus der Nebenstraße eine Gruppe aus drei Personen auf. Zwei Männer und eine Frau, von denen der Eine einen schwarzen Anzug und eine getönte Sonnenbrille trug. Die anderen Beiden waren in Straßenkleidung gekleidet, was den Anblick des Dritten nur noch ungewöhnlicher machte.
Sie kamen zu ihnen hinüber, die Frau ging voran. Sie hatte ein schmales Gesicht und dunkle, kurze Haare, die sie hinter den Ohren trug. Emil vermutet, anhand ihres Auftretens, dass sie die Leiterin war. Als sie angekommen war, sprach sie Martin an: „Die Nachricht kam aber reichlich spät.“ Mit diesen Worten sah sie sich auf der Straße um und betrachtete mit einem mitleidigen Blick den Fleischberg auf dem Asphalt. „Das wird mal wieder Arbeit“, seufzte sie und nickte dann dem Mann ohne Anzug zu. Er wandte sich um, zog sein Handy aus der Tasche und begann zu telefonieren.
Emil verfolgte interssiert das merkwürdige Geschehen mit den Augen, wagte es aber nicht sich auch nur einen Millimeter zu bewegen und stand wie angewurzelt da.„Gut, also Martin.“, fragte die Frau und für eine kurze Zeit starrte sie Martin einfach an. „Ach so ist das“, murmelte sie schließlich und Emil fragte sich, was hier gerade vor sich ging, bis ihm einfiel, dass er hier zwei Seher hatte, die sich scheinbar fast telepathisch unterhalten konnten, was es ihm schwermachte, dem Ganzen zu folgen.
Dann nickte Martin und darauf folgte wieder Stille, als würden die beiden überhaupt nicht bemerken, dass keiner von ihnen redete. Das machte Emil nervös. Was wenn sie ihn plötzlich etwas fragen würde und er sich verplapperte? Er war froh gewesen, dass sie an ihm nicht solche Gedächtnisregulationen wie an Ina durchgeführt hatten und dabei wollte er das ganze auch belassen.
 „Ja gut“, sagte die Frau abschließend, aber so urplötzlich in die Stille hinein, dass Emil zusammenzuckte. Zum Glück bemerkte sie das nicht. „Wir kümmern uns drum. Sag das nächste Mal früher Bescheid, wenn du etwas Ungewöhnliches mitbekommst.“ Ihr Blick wanderte zu Emil und blieb auf ihm ruhen. Er schluckte. Dann fuhrt sie fort: „Vielleicht hätten wir den Nekromanten dann auch direkt gehabt“, vollendete sie einfach ihren Gedankengang ohne auf Emil einzugehen und wandte sich dann kopfschüttelnd ab. „Seit diesen ganzen Zombiefilmen...“
Der Typ mit dem Anzug stand immer noch vor Emil und Martin in Position, bis die Frau bemerkte, dass er nicht folgte. „Komm schon!“, rief sie. „Arbeit ruft!“
Emil konnte den Ausdruck seiner Augen nicht erkennen, doch der Mann schien ihn noch einmal prüfend anzusehen, bevor er sich ebenfalls umwandte.
Sie ließen Martin und Emil einfach dort stehen, bis Emil Martins Hand an seinem Arm spürte. Gerne ließ Emil sich mitziehen, denn so faszinierend der Anblick auch war, genauso schnell wollte er weg davon. Weg von diesen komischen Leuten, die er nicht einschätzen konnte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sie ihn überhaupt nichts gefragt hatten.
Martin wagte es erst wieder mit Emil zu sprechen, als sie weit genug von den Sehern weg waren. „Gruselig Typen, oder?“, sprach er das aus, was Emil dachte.
„Ja...“, war alles was Emil herausbekam. Seine Stimme war ungewöhnlich belegt.
„Das sind Seher, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als den Müll aufzuräumen. Kein Wunder, dass man dann irgendwann verrückt wird. Ich meine vollkommen ohne menschliche Konversation. Meistens reden sie nur noch in abgehakten Sätzen. Elisa gehört wenigstens noch zu der Sorte die einen meistens anguckt, wenn sie mit einem redet.“
„Du kennst sie beim Vornamen?“, fragte Emil verwundert, der wusste, dass Martin die Frau gemeint haben musste.
„Meine Abteilung. Ich treffe sie leider viel zu oft.“ Martin seufzte etwas gespielt. „Aber du hast das wirklich gut gemacht!“
„Was? Das Dumm-Rumstehen?“
„Ja. Genau das. Ich dachte wirklich sie fragt dich gleich irgendwas, doch dann hat sie dir das vollständig abgekauft. Ich bin beeindruckt.“
„Scheint wohl meine Stärke zu sein“, scherzte Emil und blieb stehen, als Martin keine Anstalten machte abzubiegen. „Müssen wir nicht hier lang?“
„Ach. Hab ich dir vergessen zu sagen. Ich muss vorher nochmal wo vorbei.“
„Wieso?“, fragte Emil verwundert. „Wo vorbei?“
„Mich hat es stutzig gemacht, dass der Nekromant einfach so sein Unwesen treiben kann“, fing Martin seine Erklärung an. „Er ist nirgendwo registriert und ist vorher auch nie auffällig geworden. Selbst jetzt fällt er niemandem auf. Es muss ein Sterblicher sein, der es geschafft hat, sich Wissen über die Wege zum Reich der Toten anzueignen. Die Seher haben einen Blick auf alle die irgendetwas magisches an sich haben. Er ist...“ Martin hielt einen Moment inne und überlegte. „..genau wie du.“
Mit den Worten sah Martin Emil eindringlich an. „Jemand der für die Seher völlig uninteressant zu sein scheint und dessen Kräfte somit im Verborgenen bleiben. Er fällt nicht in die Zielgruppe, weil es nicht für möglich scheint, dass er Nekromantie hätte erlernen können...“ Seine Stimme wurde nachdenklicher, als er das aussprach, was durch seinen Kopf schwirrte. „Es ist eine Theorie, aber wenn es wahr wäre, dann hätte da jemand gründlich in der Recherche geschlampt und deshalb müssen wir jemanden fragen, der sich mit magischer Literatur auskennt.“
Das Wort „magische Literatur“ löste in Emil sofort eine Assoziation aus, die Martin sogleich bestätigte:
„Wir gehen in die magische Bibliothek.“
Emil hatte es geahnt und sog die Luft tief ein. Das konnte nicht gut ausgehen. Dieses Gehemnis konnte er so nicht wahren. Doch Martin schien sein Entsetzten mit Erstaunen misszudeuten.
„Das könnte dir gefallen. Es ist fast wie in deinen Büchern.“ Martin grinste und Emil erwiderte es zögernd. Er wollte etwas antworten, doch in seinem Kopf hing nur ein großes Loch.
„Wie in meinen Büchern?“, erwiderte Emil stumpf.
„Ja, Fantasybüchern.“
„Mhm...“

Die Prodzedur war etwas anders, als bei Emils letzten Besuch. Da es noch Tag war, musste Martin nicht klopfen sondern trat einfach durch die schwere Tür. Hatte die Bibliothek Emil schon beim ersten Mal nur kurzweilig zum Staunen gebracht, so tat sie es noch weniger beim zweiten Mal.
Emil versuchte so beeindruckt auszusehen wie möglich und ein paar Worte des Erstaunes zu verlieren, doch Martin durchschaute das ziemlich schnell.
„Du musst nicht so tun, als wärst du begeistert. Ich habe wohl einfach zu viel versprochen.“
Emil schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Vielleicht nächstes Mal.“
Dann gingen sie zu dem Pult hinüber und zu Emils Erleichterung stellte er fest, dass es nicht Cornelius war, der dahinter saß, zumindest sah es so aus, bei einem Gestaltwandler konnte man sich ja nie so sicher sein.
Als der junge Mann hinter dem Pult aufblickte, meinte Emil sogar zu wissen, dass er es nicht sein konnte. Auch wenn er jetzt gerne eine Flasche Bier dabei gehabt hätte, um sich sicher zu sein.
Der Mann war vielleicht Mitte zwanzig und hatte dunkle Augen, die Emil jetzt von oben bis unten musterten. Emil hielt dem Blick stand und fragte sich nur, was der junge Mann suchte. Hatten Lilian und Martin ihm etwas verschwiegen? War er unangemessen gekleidet? Sah man ihm an, dass er ein ganz normaler Mensch war?
Doch dann wandte der Mann wieder seinen Blick ab und nahm das Buch von Martin entgegen, das dieser aus seiner Tasche gezogen hatte. Es war das Buch, das Martin in die Schulbibliothek geschmuggelt hatte.
„Dankeschön“, sagte der Mann in einer tiefen, aber unglaublich angenehmen Stimme. Es war eine dieser Stimme, denen man gerne länger zuhören würde, auch wenn er gerade nur ein Wort gesagt hatte. Einer von Emils alten Raidleitern hatte so eine Stimme gehabt. Emil hätte ihm die ganze Nacht zuhören können.
Während Emil also noch hoffte, der Mann würde noch etwas sagen, schob Martin ihn schon weiter in Richtung der Bücherregale.
„Gut das ich das Buch dabei hatte“, flüsterte Martin Emil zu. „Man könnte meinen, ich hätte gewusst, dass wir heute hier noch vorbei kommen.“
Für einen Moment erstarrte Emil. Wusste Martin etwas von gestern Abend? Hatte er durch Cornelius' Bitte, das Buch zurück zu bringen etwas davon geahnt? Emil verstand immer noch nicht wie weit Martins Kräfte reichten und wie sie überhaupt funktionieren. Doch als Martin es nur lächelnd auf diesem Satz beruhen ließ, verstand Emil, dass es nur ein einfacher Scherz war und lachte leicht. An diese Art von Witzen hatte er sich immer noch nicht gewöhnen können.
Schließlich blieben sie vor einem Regal stehen und Martin begann nach Büchern zu suchen.
Es dauerte nicht lang, da hatte er scheinbar das Richtige gefunden. Er schlug das Buch auf und überflog ein paar Seiten. Emil warf einen Blick auf den Einband und stellte fest, dass er in diesen komischen Runen geschrieben war.
„Du kannst das lesen?“, sprach Emil seinen ersten Gedanken aus.
Martin sah auf und grinste: „Ein Bisschen. Den Rest rate ich.“
„Du rätst?“, fragte Emil trocken und starrte Martin an. „Ich wünschte ich könnte mir den Rest in Latein einfach so raten.“
„Wenn du ein Seher wärst, könntest du das auch.“
Martin lächelte leicht und wandte sich dann wieder dem Buch zu. Es hatte also doch etwas mit Martins Fähigkeiten zu tun. Was sich ihm für Möglichkeiten dadurch boten:
Keine Probleme mit Fremdsprachen, Klausuren, sowie nie wieder den Bus verpassen und bei Spielen konnte er auch mit Leichtigkeit gewinnen, wenn er wollte.
„Ja, wenn ich ein Seher wäre....“, begann Emil. „Bin ich aber dummerweise leider nicht. Sondern ich habe -“
Schon bereits als Emil den Satz angefangen hatte, hatte sich Martin erschrocken zu ihm umgewandt und heftig den Kopf geschüttelt. Erst einen Moment später hatte Emil verstanden, dass er aufhören sollte zu reden.
„Oh. Entschuldige“, flüsterte er Martin zu.
„Kein Problem. Aber wir sind nicht allein.“
Gerade als Martin das gesagt hatte, bog der junge Mann vom Pult um die Ecke: „Kann ich euch helfen?“
„Nicht nötig“, winkte Martin ab. „Ich suche noch.“ Er schob das Buch zurück ins Regal und zog ein  anderes hinaus.
Der junge Mann zuckte die Schultern und verschwand dann wieder. Als er die Reihe verlassen hatte, lehnte sich Martin zu Emil hinüber und flüsterte:
„Ich habe was gefunden. Wenn wir bei mir sind erkläre ich dir alles.“

„Also?“, fragte Emil und sah Martin auffordernd an, nachdem Martin die Tür zu seinem Zimmer geschlossen hatte. Isabell war zur Erleichterung der Beiden noch unterwegs und die Erklärung, wo ihr Auto abgeblieben war, blieb ihnen vorerst erspart. Martin hoffte scheinbar noch darauf, dass die Seher den Wagen wieder hinbiegen konnten. Doch nach allem, was Emil über Magie erfahren hatte, hielt er das für unwahrscheinlich. Vorrausgsetzt Magie war überhaupt logisch, woran Emil langsam zu zweifeln begann.
„Was wolltest du mir erklären?“, fragte Emil erneut und sah, dass Martin ihm nur nich antwortete, weil dieser nach den richtigen Worten suchte.
„In Ordnung.“ Martin holte tief Luft. „Was weißt du darüber wie Magie gewirkt wird?“
„Ich weiß nicht...“ Emil überegte kurz. „Lilian hat mir etwas darüber gesagt. Aber daran erinnere ich mich nicht mehr genau. Irgendwas über ein Geheimnis.“
„Ja so ungefähr“, pflichtigte Martin ihm bei. „Hexenmeister, Hexen, Magier, Zauberinnen, wie du das ganze auch nennen magst, erlangen die Magie durch ein Ritual, dass von Familie zu Familie weitergegeben wird. Das ist eine uralte Magieform die auch nur innerhalb der Familien funktioniert und auch nur bei denen, die eine angeborene magische Fähigkeiten haben, beziehungsweise noch etwas von Naturgeistern in sich tragen, wie zum Beispiel Sonia. Wie stark und in welcher Ausprägung die Magie dann ausgeübt werden kann, hängt stark vom magischen Talent ab. Wobei magisches Taent wiederrum unabhängig davon ist, ob man Magie überhaupt erlernen kann. Lilian hat zum Beispiel unglaubliches magisches Talent, doch da sie niemals eine Magierin werden kann, powert sich das alles in ihren Dämonenfähigkeiten aus.“
„Und wie sieht es mit den magischen Fähigkeiten bei dir aus?“
Martin sah Emil erstaunt an und fuhr dann mit leicht berührter Stimme fort: „Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Ich habe das nie ausgereizt, da ich viel zu beschäftigt war, irgenwie mit dem Hellseherkram klar zu kommen.“
Emil nickte nur. Er war zwar überrascht zu hören, dass Martin kein unglaublich cooler Magier war, aber Emil hatte sich ja noch nicht einmal mit dem Hellsehen abgefunden. Noch mehr wäre auch zu viel für einen Monat gewesen.
„Auf jeden Fall“, fuhr Martin fort. „Ich dachte immer Nekromantie sei eine Unterform der schwarzen Magie und damit nur von jemandem benutzbar, der erstens Magie benutzen kann und zweitens auch besonders gut darin ist. Aber Nekromantie ist völlig losgelöst von anderen Formen der Magie. Zwar musst du das Geheimnis kennen, um sie benutzen zu können, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es das gleiche Gehemnis wie bei uns ist. Zusätzlich benötigt Nekromantie scheinbar keine magische Energie, wie die, die man aus Quellen ziehen kann, sondern entzieht dem Nekromanten stattdessen direkt Lebensenergie. Man muss also kein besonders talentierte Magier sein, um Toten heraufzubeschwören. Es verbraucht nur Lebensenergie und das in so großen Mengen, dass der Körper diese nicht so einfach wiederherstellen kann und langsam aber sicher stirbst du daran. Es ist fast so, als würde das Reich der Toten es als Pfand nehmen, um seine Tore zu öffnen.“
Emil saß mit offenem Mund da.
„Das bedeutet, dass ich Recht hatte. Es ist jemand, der über keine besonderen Fähigkeiten verfügt. Er braucht keine magische Energie, denn er bezahlt mit seinem Leben. Das erklärt auch die Zeitspanne zwischen den Angriffen. Er muss Kraft regenerieren. Und ich bin mir sicher, dass er auch jetzt vorerst viel Kraft regenerieren muss, um es erneut zu versuchen. Wenn wir Glück haben, hat ihn dieser Schlag sogar umgebracht.“
„Umgebracht?“ Emils Stimme klang entsetzt.
„Du hast Mitleid?“, fragte Martin irritiert. „Er hat zweimal versucht dich umzubringen.“
„Aber er hat es nicht geschafft.“
„Das schon, aber nur weil ich und Lilian auf dich aufpassen.“ Martin lehnte sich zurück und starrte an die Decke. „Ich dachte die ganze Zeit er sei hinter deiner Quelle her...“
„...aber er kann sie ohnehin nicht benutzten?“, beendete Emil den Satz und Martin nickte gedankenverloren, bevor ihm scheinbar auffiel, dass Emil zur Abwechslung mitgedacht hatte.
„Richtig.“ Er versuchte das möglichst neutral klingen zu lassen.
„Das heißt, wenn ich Glück habe, weiß immer noch niemand von der Quelle und solange sie versiegelt ist, kommt da auch niemand ran, oder?“
Martin nickte nur zustimmend.
„Aber was will dieser Nekromant dann von mir?“
„Keine Ahnung. Das ergibt irgendwie keinen Sinn. Es wäre der einzige Grund, dass jemand, der Magie kennt, an dir interessiert sein könnte.“
„Vielleicht hat es ja mit mir direkt zu tun?“, schoss es Emil durch den Kopf und er sprach es direkt aus. Das Nächste, an das er dachte, war Evelyn; das Mädchen, das einmal auf ihn gestanden hatte. Sie war immer nur in schwarz mit unglaublich viel Kajal unter den Augen rumgelaufen. Das würde zu ihr passen, dass sie auf Nekromantie zurück griff.
„Evelyn?“, fragte Martin lachend, als könnte er Gedanken lesen. Konnte er nicht, aber er wusste, dass Emil ihm sicher gleich seinen Gedanken mitgeteilt hätte.
„Ich dachte nur...“, murmelte Emil verlegen, als Martin immer noch leicht lachte. Nur langsam beruhigte er sich und sah Emil wieder ernst an.
„Sorry. Wie ich schon sagte, wäre es durchaus denkbar, dass es jemand ist, mit dem wir überhaupt nicht rechnen. Ich glaub ich lass Evelyn überprüfen. Wie hieß sie noch gleich mit Nachnamen?“
„Woher soll ich das wissen? Hatte sie überhaupt einen Nachnamen?“
„Ich glaube jeder hat einen Nachnamen...“ Martin warf Emil einen unbeeindruckten Blick zu.
„Hast du einen?“
„Natürlich habe ich einen!“
„Da wäre ich mir nicht so sicher... schließlich benutzt du den nie.“
„Er steht unten auf dem Klingelschild.“
„Okay. Stimmt...“

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