Neue böse Wesen und so - Kapitel 4


Mädchen und andere Ungeheuer

„Die mit Sourcream sind die besten!“ Mit glänzenden Augen liebäugelte sie mit der Chipstüte in ihren Händen und griff dann genüsslich hinein.
Sie saß im Schneidersitz auf Emils Bett, während er vor seinem DVD-Regal stand und grübelte, welchen Film sie schauen sollten.
Lilian gab einen Laut der Erkenntnis von sich, und schluckte schnell die Chips herunter: „Dead or Alive.“
Emil sah sie fragend an. „Der Film nach dem Spiel?“
„Genau den!“
„Den hab ich nicht.“
„Ich sag ja, wir sollten mal bei mir gucken!“ Lilian wedelte mit dem Chip durch die Luft die sie gerade in den Fingern hielt, bemerkte, dass er krümelte und aß ihn schnell. Nachdem sie aufgekaut hatte, sprach sie weiter: „Warum warst du bis jetzt eigentlich noch nie bei mir?“
„Du hast mich bis jetzt nie zu dir eingeladen.“
„Dann lade ich dich jetzt offiziell ein, morgen zu mir zu kommen. Oder noch besser: Du kommst heute Abend zu mir und übernachtest da.“
Es dauerte etwas bis diese Information in Emils Kopf eingetroffen war. Er hatte sich eigentlich schon wieder dem DVD-Regal zugewandt, als er sich schlagartig wieder umdrehte. „Bei dir übernachten?“
Er musste so ungläubig geklungen haben, dass Lilian ihn mit sehr langsamer Stimme antwortete:
„Ja. Praktisch bei mir eine Nacht verbringen.“
„Klar.“ Emils merkte wie seine Stimme schwächelte. Warum schlug sein Herz ihm gerade jetzt bis zum Hals? Es war nichts dabei. Ob er nun am Tag oder in der Nacht bei ihr war würde nichts ändern. Es war egal. Es bedeutete rein gar nichts. Das war ein Abend wie jeder andere.
„Oh man, langsam nervt es...“, wechselte Lilian urplötzlich das Thema und erlöste Emil aus seiner Starre.
„Was meinst du?“ Emil war sich noch unsicher, ob sie wirklich das Thema gewechselt hatte. Das konnte man nie so genau wissen, aber sie neigte dazu.
„Marie. Der Bund mit ihr. Immer diese leise Ahnung zu haben, was sie gerade tut.“
„Kannst du den Bund nicht auch wieder auflösen?“
„Das ist etwas komplizierter. Außerdem brauche ich diesen Bund, damit ich dich beschützen kann.“ Sie legte die Chipstüte zur Seite und sah Emil eindringlich an. Auch ihre Stimme wurde ruhiger und nahm einen ernsten Tonfall an. „Solange ich mit ihr verbunden bin, kann ich nicht durch eine Dämonenwaffe eines anderen getötet werden, noch durch andere Mittel. Dennoch hat sie eine gewisse Macht über mich, was mir absolut nicht gefällt.“
Emil nickte nur, da er nicht wusste, was er darauf erwidern sollte. Er verstand nicht, denn er konnte sich nicht im entferntesten vorstellen, was dieser Bund für Lilian bedeutete.
„Alles in Ordnung?“, fragte Lilian vorsichtig und riss ihn damit aus seinen Gedanken. Sie musste seinen betrübten Blick aufgefangen haben.
„Ja, alles in Ordnung“, wiederholte Emil und versuchte zu lächeln. „Danke, dass du mich beschützen möchtest, aber ich glaube nicht, dass ich Schutz brauchen. Du solltest lieber auf dich selbst aufpassen.“

„Das werde ich. Aber...“ Sie hielt für einen Moment inne, bevor sie weitersprach. „du bist möglicherweise bedeutender für die magische Welt, als du denkst. Deine Quelle ist stark. Unglaublich stark sogar.“ Ihre tiefblauen Augen ruhten durchdringend auf ihm.
„Vielleicht sollte ich dann lieber selbst ein Magier werden“, schlug Emil vor.
Lilian sah ihn für eine Sekunde entgeistert an.
„Ich dachte nur...“, stammelte Emil die ersten Worte die ihm einfielen, doch Lilian begann zu kichern.
„Nein, Emil, entschuldige. Dein Gedankengang hat mich nur überrascht. Wenn das gehen würde, wäre die Idee gar nicht so dumm.“
„Aber es geht nicht?“, brachte Emil enttäuscht hervor.
„Leider nein.“ Lilian rutschte vom Bett und kniete sich vor ihn. „Du wärst aber ein toller Magier!“
Vorsichtig beugte sie sich zu ihm vor und berührte seine Lippen mit ihren. Ihre Lippen waren so unglaublich weich, dass ein Schauer Emils Körper durchfuhr. Kurz berührte ihre Zunge seine. Dann sah sie ihn wieder an und grinste.
Emil sah in ihre Augen, die ihn liebevoll ansahen. Sie war unglaublich hübsch.
Lilians Blick wanderte mit einem Mal zur Seite und blieb am Regal hängen. „Warum sagst du mir nicht, dass du 'The Punisher' hast?“, rief sie aus, rutschte über ihn und griff nach der DVD im Regal. Dabei kam ihr Körper ihm so nahe, dass er ihre Wärme spüren konnte.
Nachdem sie sich die DVD erangelt hatte ließ sie sich auf seinem Schoß nieder. Ihre linke Hand ruhte auf seiner Schulter. Alles an ihr schien zu passen. Emil konnte sich nicht vorstellen, wie sie noch schöner sein könnte.
Ihre Hand wanderte vorsichtig seine Schulter zum Hals hinauf und fasste vorsichtig seinen Kopf. Mit leichtem Druck schob sie seinen Kopf zu ihrem hinüber und er folgte.
Emil schloss die Augen, als sie ihn küsste. Ihre Arme schlangen sich um seinen Hals und er merkte, wie sie sich reckte, um noch näher an seinen Lippen zu sein, ihn noch intensiver zu küssen.
Sie ließ ihm kaum Luft zum atmen, doch das hatte Emil schon fast vergessen. Ihr ganzer Körper lag nahe an seinem und ihre Finger fuhren durch sein Haar.
Als Lilian den Kuss langsam beendet, merkte Emil erst wie sehr sein Herz raste und sein Atem zitterte. Sie sah ihm für einen kurzen Moment in die Augen, bevor sie ihn sanft nach hinten drückte. Emil gehorchte und sie beugte sich über ihm. Bevor er sich noch darüber Gedanken machen konnte, was sie da tat, hatte sie ihn schon wieder geküsst. Ihre Hand fuhr seine Seite hinauf unter sein T-Shirt.
Vielleicht hatte er sich geirrt. Es brauchte nicht Nacht zu sein, um mit ihr zu schlafen. Es konnte genauso gut jetzt passieren.

„Emil?“, fragte Lilian, als sie und Emil die Straße hinunter liefen, auf dem Weg zu ihr. Ihre Hand umfasste seine, was ein schönes Gefühl war, aber so wenig zu ihr zu passen schien.
Lilian schien immer noch müde zu sein und gähnte einmal ausgiebig, obwohl sie gerade noch zwei Stunden tief geschlafen hatte. „Tust du mir einen Gefallen?“
„Was für einen Gefallen?“, hakte Emil vorsichtshalber nach.
„Ich würde gerne noch an der Bibliothek vorbei und es wäre lieb, wenn du Martin davon nichts erzählst.“
„Warum denn?“ Emil konnte sich nicht vorstellen, was so schlimm an einem Besuch in einer Bibliothek sein sollte.
„Ich habe als Dämon eigentlich keinen Zutritt zu den magischen Bibliotheken, deshalb wäre es besser, wenn wir das für uns behalten könnten.“
„Wir gehen in die Winkelgasse?“, fragte Emil entzückt.
„Unsinn!“ Lilian war plötzlich hellwach und drückte sein Hand, wahrscheinlich für sie leicht, doch für Emil so stark, dass er sie unter Schmerzen loslassen musste. „Tut mir Leid! Tut mir Leid!“
Sie fasst vorsichtig seine Hand und pustetet. Auch wenn es dadurch nicht besser wurde, machte es Emil doch deutlich ruhiger.
„Was brauchst du denn aus der Bibliothek?“
„Ich hoffe, dass ich dort herausfinde, wie ich den Bund wieder löse, den ich mir eingebrockt habe. Oder zumindest lockere.“
„Martin erfährt nichts von mir. Zumindest nicht bewusst.“
Lilian lächelte dankend. „Du wirst es nicht bereuen. Als Normaler die Bibliothek gesehen zu haben; das können nicht viele von sich behaupten. Genau genommen: Keiner.“
Emil lachte, als ihm im selben Moment etwas einfiel. „Ich sollte dir übrigens noch Grüße von Isabel ausrichten.“
„Von Martins Schwester?“, fragte Lilian erstaunt.
„Ja, sie ist momentan zu Hause und ich hab sie getroffen, als ich bei Martin war.“
„Oh“ Lilian schien sich nicht wie erwartet über die Grüße zu freuen. „Dann grüß sie zurück, wenn du sie siehst.“
„Werdet ihr euch nicht sehen?“
„Hat Martin irgendwas gesagt, woher wir uns kennen?“ Die Frage hätte Emil schon misstrauisch werden lassen müssen.
„Er sagte ihr wart befreundet gewesen und der Kontakt hätte sich verlaufen.“
Lilian seufzte. Emil bemerkte wie sie anfing nervös mit ihren Lippen zu spielen. „Es ist vielleicht nicht der beste Zeitpunkt...“, fing sie vorsichtig an.
Ihre Stimme war schwach, sie druckste. Es war wie damals, als sie ihm gesagt hatte, dass sie eine Succubus war. Es schien eine ähnlich wichtige Bedeutung für sie zu haben.
Doch dieses Mal war Emil nicht abgelenkt, was die Zeit bis sie ihren Satz endlich beendete unendlich lang erschienen ließ. Was konnte so wichtig sein, dass sie so Schwierigkeiten hatte es endlich auszusprechen? Noch schlimmer, als dass sie eine Succubus war?
„Sie ist meine Exfreundin.“
Damit hatte Emil nicht gerechnet.
„Du? Und Isabel?“, kam es ihm über die Lippen und erst danach war ihm bewusst, sie plump das geklungen haben musste.
Lilian lief rot an. „Ja, du wusstest doch, dass ich mit Mädchen zusammen war.“
„Schon...“ Das Bild wollte nicht mehr aus Emils Kopf:
„Das ist aber jetzt auch schon fast 3 Jahre her“, fügte sie rasch hinzu und hielt dann inne. „Du scheinst das ziemlich locker aufzunehmen.“
Emil nickte geistesabwesend.
„Oder denkst du gerade an etwas anderes...?“
„Was?“ Emil horchte auf und sah sie an. Sie sauer aus. Ihre Stirn lag in Falten. Doch kaum fing sie Emils Blick auf, konnte sie ihm nicht mehr böse sein. Lachend schloss sie ihn in ihre Arme und drückte ihn an sich.
Sanft küsste sie seinen Hals und vergrub dann das Gesicht an seiner Schulter.
„Danke, dass du das so locker nimmst“, murmelte sie.
Emil schloss die Arme um sie. „Warum denn auch nicht?“, fragte er irritiert.
So hielten sie für einige Zeit inne, bis Lilian sich ruckartig wieder aufrichtete. Sie sah erschrocken in die Richtung die in Emils Rücken lag. Mit einer schnellen Bewegung war sie aus Emils Umarmung und bereits an ihm vorbei. Sie hielt wieder inne und sah in alle Richtungen. Ihre Haltung verriet, dass sie etwas suchte, aber nicht fand.
„Was ist los?“
Sie sah sich zu ihm um und in ihrem Blick war noch immer die Verwirrung zu erkennen. „Ich dachte, ich hätte etwas gesehen.“ Sie rieb sich die Augen. Ihre Haltung wurde entspannter. „Ich bin wohl doch noch sehr müde.“
Das Lächeln auf ihrem Gesicht war ehrlich dann gähnte sie erneut. „Wir müssen nur noch zwei Straßen weiter“, sagte sie und setzte sich mit diesen Worten wieder in Bewegung.
Emil folgte ihr und warf dennoch einen Blick zurück, auf den Ort, an dem sie gerade gestanden hatte. Die Straße lag still da, doch wenn er sich vorstellte, dass Lilian gerade wirklich etwas gesehen hatte, dann schien etwas in der Luft zu liegen, das man mit den Augen nicht sehen konnte.

Sie stiegen die Stufen zu der schweren Haustür eines Altbaus hinauf. Lilian klopfte zweimal kurz an die Glasscheibe in der Tür, bevor sie sich nach einiger Zeit einen Spalt weit öffnete und das Gesicht eines Mädchens in etwa seinem Alter im Zwischenraum erschien.
Ihre Miene erhellte sich sofort, als sie Lilian erblickte, doch dann fiel ihr Blick auf Emil.
„Es ist in Ordnung. Er ist mein Freund“, sagte Lilian und zeigte dabei auf ihn.
„Okay“ Die Stimme des Mädchens war merkwürdig rau und öffnete die Türe. Erst jetzt konnte Emil erkennen, das das Mädchen blondes Haar hatte, dass sie fest zu einem Zopf zusammengebunden hatte. Sie trug einen kariertes Hemd, T-Shirt und eine lockere Jeans. Keines ihrer Kleidungsstücke schien ihr richtig zu passen.
Sie ging in den dunklen Raum hinein, in dem Emil zunächst nichts erkennen konnte.
„Ich mache das Licht an“, sagte das Mädchen. Ihre Stimme war merkwürdig. Sie wollte einfach nicht zu dem schmalen Mädchen passen, zu der sie gehörte.
Flackernd ging die Deckenbeleuchtung an und tauchte den großen Raum in dem sie standen in warmes gelbes Licht. Das Licht offenbarte mehreren Gänge mit hohen Buchregalen aus dunklem Holz. Genau so hatte Emil sich eine magische Bibliothek vorgestellt.
Lilian folgte dem Mädchen zum Pult auf dem ein uralter Rechner stand und jede Menge Ordner ausgebreitet waren. Eine Tischlampe brannte. Es war scheinbar der Platz an dem das Mädchen bis gerade eben noch gearbeitet hatte.
„Was brauchst du?“, fragte sie an Lilian gewandt.
„Namensmagie. Deine Idee mit dem Bund war zwar für den Moment wirklich gut gewesen, aber...“ Ihr Blick schweifte ab und blieb auf Emil hängen. „Ach, ich hab euch noch überhaupt nicht vorgestellt. Cornelius, das ist Emil -“
„Cornelius?“ Emil unterbrach sie ohne darüber nach zu denken.
„Ja, Cornelius.“ Das Mädchen lächelte und plötzlich fuhr etwas über ihr Gesicht, dass es für Emil nicht mehr scharf erkennbar machte und nahm deutlich männlichere Züge an. Auch wenn die blauen Augen gleich blieben, blickte Emil in das Gesicht einer völlig anderen Person. Sekunden später sah ihn wieder das Mädchen an. Emil blickte verwirrt zu Lilian. Er hatte doch dieses mal überhaupt nichts getrunken.
„Cornelius ist ein Gestaltwandler“, erklärte Lilian leicht amüsiert. „Er nimmt diese Form immer an, wenn ich da bin, um sich vor meinen Kräften zu schützen. Klappt auch ganz gut.“
Emil nickte verdattert. „Wie sieht er dann aus, wenn ich getrunken hätte?“
„Normal“, beantwortete Cornelius seine Frage und jetzt wo er Cornelius' richtiges Gesicht gesehen hatte, passte die Stimme deutlich besser zu ihm. Vollständig daran gewöhnt hatte Emil sich jedoch noch lange nicht.
„Meine Kräfte funktionieren leider nicht bei betrunkenen Menschen. Sie lassen sich nicht mehr so leicht täuschen.“
„Kannst du jede Gestalt annehmen?“
„Jede menschliche zumindest. Andere können auch tierische Gestalten annehmen.“
„Nimm meine an!“
„Wenn Lilian zu den Büchern geht.“ Cornelius hielt inne und sah sich nach Lilian um, die bereits auf ein Regal am hinteren Ende zusteuerte.
„Lasst euch nicht stören!“, rief sie ihnen zu. „Ich melde mich schon, wenn ich etwas nicht finde.“
Cornelius zuckte die Schultern und wieder verschwamm sein Gesicht und dann sah Emil sein eigenes. Zwar war Cornelius etwas kleiner als er, aber es war wie in einen Spiegel zu Blicken, nur dass die Mimik nicht ganz passen wollte.
Es war das beeindruckendste magische Kunststück, das Emil bis jetzt gesehen hatte. Es dauerte nur einen Moment, dann stand ein Junge vor ihm, den Emil zwar nicht kannte, von dem er aber wusste, dass es Cornelius richtiges Äußeres war. Er musste etwas älter als Emil selbst sein.
„Und woher kennst du Lilian?“, fragte Cornelius.
Emil überlegte, wie er das erklären sollte. „Wir sind uns praktisch über den Weg gelaufen.“
„Weiter?“
„Sie war plötzlich da und hat mich vor Marie gerettet, die mich um den Finger wickeln wollte.“
„Dann haben wir etwas gemeinsam. Lilian hat auch mein Leben gerettet.“
Emil kam nicht dazu nachzufragen, wie die genauen Umstände waren, denn in dem Moment kam Lilian unerwartet früh mit einem Stapel Bücher zurück und Cornelius wechselte augenblicklich sein Äußeres.
„Funktioniert dieser Übersetzungskopierer wieder?“, fragte Lilian.
„Der Entkrypter?“, antwortet Cornelius ihr.
„Genau das Ding.“
„Ja, nimm meine Karte.“ Cornelius zog eine Chipkarte aus der Tasche und legte sie oben auf den Bücherstapel in Lilians Armen.
„Soll ich dir vielleicht helfen?“, fragte Emil mit dem Blick auf die dicken Bände.
„Ne, ne, geht schon.“ Mit den Worten wankte sie in Richtung Kopierer.
„Warum Entkrypter?“, fragte Emil verwundert.
„Die Bücher sind zum größten Teil in Runen geschrieben, die nur wenige lesen können. Deshalb der Übersetzer. Es gibt in größeren Bibliotheken auch Lesegeräte für so etwas.“
„Wie ist das technisch möglich?“
„Gar nicht. Die funktionieren magisch.“
Sich das vorzustellen überstieg in diesem Moment Emils Vorstellungskraft. Er hatte sich gefreut langsam die physikalischen Zusammenhänge von Elektrizität zu begreifen, aber dass das auch noch magisch gehen sollte, wollte nicht in seinen Kopf. Die ganze Magie war etwas, das er nicht verstand und immer noch manchmal für einen dummen Scherz hielt. Außer wenn sie ihm direkt ins Gesicht sprang, wie im Falle von Cornelius.
„Und du hast überhaupt keine magischen Fähigkeiten?“, fragte Cornelius.
Emil stockte. Das er seine verschlossene Quelle erwähnte war sicherlich keine gute Idee, nicht einmal vor einem von Lilians Bekannten.
„Nein leider nicht. Total normal.“
„Hast du ein Glück.“
„Wieso? Du kannst dich in eine Frau verwandeln!“
Cornelius lachte. „Ja, das hat schon Vorteile.“
„Ich würde das so sehr ausnutzen.“
„Ich auch.“
Es folgte eine kurze Stille, die beide nicht lange aushielten und sich angrinsten.
„Was mich interessieren würde. Wie funktioniert das eigentlich mit dir und Lilian? Wie kannst du dich in ihrer nähe Aufhalten ohne tot umzufallen?“, fragte Cornelius schließlich.
„Ich scheine irgendwie dagegen immun zu sein“, log Emil, auch wenn es ihm schwer fiel. „Keine Ahnung warum.“
„Gilt das auch für andere magische Kräfte?“
„Das habe ich jetzt nicht ausprobiert und möchte das eigentlich auch nicht tun.“
„Kann ich nachvollziehen.“
„Gegen Zukunftsvorhersagen bin ich es auf jeden Fall nicht“, scherzte Emil und dachte an Martin, der ihm immer häufiger bereits antwortete, wenn Emil es überhaupt noch nicht angesprochen hatte.
„Dem kannst du dich ja auch nicht entziehen, denke ich. Das heißt du kennst Seher?“
Emil nickte.
„War Martin nicht für deinen Bereich zuständig?“
Emil nickte erneut.
„Dann richte ihm bitte aus, dass er endlich das Buch zurück bringen soll, dass er sich vor sechs Wochen ausgeliehen hat.“
„Was für ein Buch?“, fragte Emil erstaunt, während sich eine Erinnerung in ihm regte und er Cornelius Antwort überhaupt nicht hören musste.
„Ein Lexikon für moderne magische Geschichte, 14. Auflage, Druckjahr 2004“, ratterte Cornelius die Daten runter.
Es war das Buch, dass Martin Emil in der Schulbibliothek gezeigt hatte, um ihn auf die Idee mit den Sehern zu bringen. Er musste es dorthin geschafft haben, um keinen Verdacht zu erregen. Eine clevere Idee. Und Emil war natürlich darauf herein gefallen.
„Wieso kannst du das einfach so auswendig?“
„Ich lerne viel für mein Studium, wenn ich hier arbeite. Da bleiben automatisch auch die Buchtitel hängen.“
„Was studierst du denn?“
Geschichte, normale und magische.“
„Gefällt's dir?“
„Ja, es ist total interessant. Und das ist eigentlich der perfekte Nebenjob dafür.“
„Stimmt.“
Lilian kam vom Kopierer zurück und hielt Cornelius ein Buch vor die Nase. Auf dem dunkelgrünen Band konnte Emil Runen erkennen. „Ich blicke da überhaupt nicht durch. Kannst du das Buch kurz anlesen und mir sagen, ob es relevante Stellen beinhaltet?“
„Bezüglich was?“, fragte Cornelius. „Es geht in dem ganzen Buch nur um Namensmagie.“
„Ob man einen einmal geschlossener Bund mit Namensmagie wieder lösen kann...“, murmelte Lilian, sodass man sie kaum verstehen konnte. Ihr Blick wanderte unsicher zur Seite.
„Das könnte etwas länger dauern.“ Cornelius warf ihr einen nichtssagenden Blick zu, während er ihr das Buch aus der Hand nahm. „Am besten ihr wartet kurz und schaut euch die Bücher an. Kaffee?“
„Nein, danke“, antworteten Lilian und Emil, wie aus einem Mund.
„In Ordnung.“

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