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Dämonen und so - Kapitel 9






Kaum zu glauben

Das starke Kribbeln in der Nase ließ Emil laut niesen.
„Gesundheit.“
„Danke.“
„Taschentuch?“
„Nein, danke. Geht schon.“
„Da denkt jemand an dich.“
„Ach, Unsinn!“ Emil kämpfte immer noch mit seiner laufenden Nase. „Hast du vielleicht doch ein Taschentuch?“
„Ne. Ich wollte nur höflich sein.“ Martin grinste ihn breit an.
„Na danke ...“

~*~*~*~

Klare Flüssigkeit benetzte ihre Lippen und holte sie zurück ins Hier und Jetzt. Sie fühlte sich immer noch leicht benommen. Von irgendwo her glaubte sie, dass jemand mit ihr sprach. Nur schwerfällig bewegte sie die Lippen um zu antworten und murmelte unverständliche Worte.
Erst der Schwall Wasser der plötzlich ihren Mund flutete, ließ sie vor Schreck die Augen aufreißen.
„Schlucken!“
Der Hustenreiz war so stark, dass Ina sich nach vorne beugen musste. Keuchend und prustend spuckte sie das Wasser wieder aus.
„Zweiter Versuch.“
Das Wasserglas wanderte wieder zu ihrem Mund. Diesmal sah Ina auf und blickte das Mädchen an, das ihr gegenüber saß. Sie erschrak, als sie Sonia vor sich erkannte und wollte ihr schon das Wasserglas aus der Hand schlagen. Nixe, Nixe, Nixe! Als diese ihre Hand nahm, ihr schon das Glas in die Finger drückte und sie verschmitzt anlächelte:
„Tut mir Leid, dass ich dich so überfallen haben. Aber das Wasser wird dir gut tun.“
Ina beäugte es misstrauisch.
„Du musst wohl einfach eingeschlafen sein.“
„Wie spät ist es?!“, platzte es aus Ina heraus, der der Schrecken ins Gesicht geschrieben stand.
„Halb vier“, antwortete Sonia gleich überrumpelt. „Morgens versteht sich.“
Der Raum, in dem sie sich befand, wurde von warmem, gelbem Licht beleuchtet. Ein Blick aus dem Fenster verriet ihr, dass es draußen immer noch dunkel war. Als sie nach unten sah, bemerkte sie erst, dass sie auf einem Bett saßen. Sie strich mit den Fingern über die Bettdecke. Sie war weich.
„Ist das dein Zimmer?“, fragte sie zögernd.
„Ja. Ist gemütlich, oder?“
Ina nickte zustimmend, bis ihr wieder einfiel, was sie zuvor gehört hatte. Es gab nur eine Möglichkeit herauszufinden, ob Sonia wirklich eine Nixe war. Ina streckte die Hand aus und legte sie auf Sonias Wange, strich dann leicht darüber und begann dann zu reiben.
Was machst du da?“, lachte Sonia und packte Inas Hand. „Das kitzelt!“

„Keine Schuppen ...“, murmelte Ina nachdenklich.
„Die hat man normalerweise auch in den Haaren.“
„Isst du gerne Fisch?“
„Schon.“
„Kannst du unter Wasser atmen?!“
„Nein.“
„Hast du eine Flosse?“
„Hätte ich eine, dann müsste ich ja dauernd durch die Gegen hüpfen, anstatt zu laufen.“
„Du weißt also wie es ist eine Flosse zu haben!“, verkündete Ina triumphierend.
„Sehr gute Vorstellungskraft.“ Das Lächeln war nicht aus Sonias Geschicht gewichen.
Es war hoffnungslos. Sonia war einfach nicht zu überlisten. Aus ihrer Miene konnte man nichts lesen. Gar nichts. Sie war einfach zu gut. Ina musste sich erstmals geschlagen geben.
Sonia war ja auch nicht wichtig, versuchte sie sich zu trösten. Lilian und Marie waren die beiden, über die sie sich Gedanken machen sollte. Aber wo konnten die Beiden nur stecken?
„Wo sind Marie und Lilian?!“, rief Ina.
„Lilian ist schon weg.“
Inas folgende Gedankengänge waren so schnell abgehandelt, dass man sie überhaupt nicht in Worte fassen konnte. Doch ihre Schlussfolgerung war eindeutig:
„Ich muss Emil warnen!“

~*~*~*~

„Wie viel hast du nochmal an dem Abend getrunken, Ina?“ Der sarkastische Unterton in Martins Stimme war Emil nicht entgangen. Er verstand nur nicht, warum Martin sich so aufregte.
„Gar nicht so viel. Glaubst du mir etwa nicht?“ Sie wedelte mit dem Teelöffel bedrohlich in Martins Richtung.
„Lass mich raten: Marie ist danach auf einem Besen davon geflogen?“
„Nein!“, verteidigte sich Ina. „Man, Emil, sag doch auch etwas dazu!“
Emil, der die ganze Zeit mit dem Strohhalm in seiner Cola gespielt hatte, schreckte auf, als sie ihn so plötzlich ansprach. „Wozu?“
„Dass du auf der Speisekarte stehst!“ Inas Augen waren empört geweitet.
„Marie will mich doch gar nicht essen“, sprach Emil seinen ersten Gedanken aus.
„Lilian! Lilian ist der Dämon.“
Emil sah es kommen: Gleich würde der Teelöffel sich aus Inas Hand lösen, Martin vor die Stirn klatschen und danach würden die Beiden sich solange anschreien, bis sie aus dem Café geworfen würden.
Doch zu seiner Überraschung blieb der Löffel in Inas Hand und Martin unglaublich ruhig. „Wenn das stimmt, was du sagst. Woher sollen wir dann wissen, dass du nicht mit ihnen unter einer Decke steckst?“
Ina starrte ihn nach dieser Anschuldigung erst einmal nur perplex an. Es dauerte einige Sekunden, bis sie sich wieder gefangen hatte. „Würde ich es euch dann erzählen?“
„Komm, Ina, wir wissen beide, dass das Unsinn ist. Du willst immer in allem Dämonen, Vampire oder Werwölfe sehen.“
„Diesmal ist das was anderes. Ich habe es mit meinen eigenen Ohren gehört und mit meinen Augen gesehen.“
„Was hast du gesehen?“
„Lilian mit diesen gruseligen grünen Augen.“
Das war der Punkt, wo Emil plötzlich aufhorchte. „Du hast sie auch gesehen?“, fragte er zögernd. Wie aus heiterem Himmel kehrten diese Augen in sein Gedächtnis zurück.
„Ja.“ Ein triumphierendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Es war genau wie du erzählt hast. Schwarzes Haar und leuchtend grüne Augen. Ein Wesen der Dunkelheit.“ Sie beendete den Satz theatralisch flüsternd.
„Sah Marie auch so aus?“, fragte Emil neugierig geworden.
„Keine Ahnung, die habe ich nicht gesehen.“
Enttäuscht prustend ließ Emil sich zurück in seinen Sessel fallen. „Dann sag mir wenigstens, warum Marie es angeblich auch auf mich abgesehen hat.“
„Sie will dir die Seele aussaugen.“
„Ich habe also die Wahl ohne Seele weiter zu leben oder Dämonenfutter zu werden?“, erwiderte Emil lächelnd. Und Inas Reaktion ließ ihn langsam verstehen, was Martin daran fand, sie auf die Palme zu bringen.
„Nein! Deshalb bin ich doch da!“, rief sie und Emil konnte dabei zusehen, wie ihr Gehirn verzweifelt nach einem weiteren Überzeugungsgrund suchte.
„Faszinierend, oder?“, scherzte Martin, als hätte er Emils Gedanken gelesen.
Beide grinsten sich an, als plötzlich der Löffel nur knapp an ihren Köpfen vorbei schoss und klirrend auf dem Boden landete.
„Ich werde es euch beweisen!“ Abrupt stand Ina auf, packte ihre Jacke und wandte sich zum Gehen. „Und wehe, Emil, du lässt dich bis dahin umbringen!“ Dann rauschte sie einfach so aus dem Café.
Emil und Martin tauschten nur verwirrte Blicke aus.

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