Leipziger Buchmesse LBM 2015

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf der Buchmesse in Leipzig. Ich hatte bis dahin nur gutes davon gehört und ich wurde nicht enttäuscht. Es stimmt was alle sagen, die Leipziger Buchmesse ist ein ganz besonderes Ereignis im Jahr und deshalb wollte ich es mir auch dieses Jahr nicht nehmen lassen dort hin zu fahren.
Allerdings war ich auch, wie letztes Jahr, geschäftlich unterwegs. Ich schreibe nebenbei für ein Online Magazin, den Bücherstadt Kurier. Zum Anlass der LBM haben wir uns alle in Leipzig getroffen und sind motiviert ans Werk gegangen. Die meiste Zeit war ich also nicht als Autorin unterwegs, sondern als Reporterin, was ich genauso gerne mache.
Die Buchbranche ist für einen Hobbyautor eine schwarze Kiste, in die er seine Texte ablegen möchte, für eine Repoterin hingegen ist sie ein großes Haus mit jede Menge offenen Fenstern und interessanten Räumen, die alle anders sind und unterschiedlichsten Bewohnern. Natürlich sollte sie das für einen Autor auch sein, aber ohne Vorwissen erscheint uns die Buchbranche doch immer nur groß und unbekannt.
Da es von mir nur komische Selfies und ein Bild gibt, wo ich einen Oreo im Mund habe und deshalb zwar seriös eine Zeitschrift lese, aber dennoch dämlich drein schaue, gibt es ein neutrales Bild von der Lesung von Jenny Mai Nuyen auf der Fantasyleseinsel mit einem interssierten, bunt gemischten Publikum.
Die Leipziger Buchmesse ist der Ort, wo alles zusammen kommt: Autoren, Verläge, Lektoren, Illustratioren, Agenten, Kritiker, Leser. Es ist ein bunter Haufen, voll mit den unterschiedlichsten Charakteren und Erwartungen und meistens ist dieser Haufen bunt gemischt. 
Keiner mag Leute, die sich für etwas besseres halten, leider gibt es davon immer welche, aber auf der Buchmesse gibt es so viele Menschen, die offen sind, die wirklich noch Spaß an Büchern haben, dass eine ganz andere Atmosphäre entsteht. Wenn man sich darauf einlässt, kann man viel lernen, sich mit Verlägen unterhalten und mit Autoren. Viele freuen sich auch darüber. Es ist ein Geben und Nehmen.
Natürlich trifft man auch auf unfreundliche Menschen. Mitarbeiter, die einen komisch angucken, wenn man ihnen ein Kärtchen in die Hand drückt oder sich einfach nicht verantwortlich fühlen. Auf der anderen Seite aber auch sehr gesprächige Personen mit denen man sich austauschen kann.
Ich war erstaunt, dass wir es geschafft haben, einige spontane Interviews mit Autoren zu vereinbaren. 
Es gab neben den unzähligen Lesungen, auch viele Vorträge über die Buchbranche, zum Selfpublishing oder aktuellen Themen. Das kann spannend oder total langweilig sein. Aber die spannenden, lebendigen Vorträge sind es, die einem im Gedächtnis bleiben.
Ich erinnere mich gerne an den Vortrag mit einer Literaturagentin, die gefragt wurde, ob sie auch ein Buch vertreten würde, wenn der Autor da 20 Jahre dran geschrieben hätte und wahrscheinlich kein zweites mehr schreiben würde. Sie lachte und antwortete ehrlich: Wenn es sich verkauft, warum nicht?
Die LBM ist eine Ansammlung von sozialer Interaktion. Es kann daran liegen, dass ich als Pressse da war, aber auch so fand ich mich immer wieder in Situationen wieder, in denen ich mit fremden Menschen reden musste. Ob beim Kärtchenabgeben, dass schließlich zur Routine wurde oder beim Bloggertreffen. Wenn man jemand anderen vorschicken kann das Eis zu brechen, geht das natürlich noch einfacher. Normalerweise bin ich fremden Menschen gegenüber extrem schüchtern, aber das legt man irgendwann ab, wenn man das ein paar Mal hintereinander macht. Leider hält das dann aber auch nur einen Tag oder zumindest eine Messe lang an.
Auch gibt es bei der LBM viele Cosplayer, von denen kennt man ja, dass sie offen sind, sodass man schon mal ab und an an einem Stand ein oberflächliches Gespräch anfängt. 
Als Autorin habe ich mich nur mal nach den kleinen Fantasyverlägen umgeschaut. Durch die Lockerheit des SERAPH-Preises mal wieder ermutigt, habe ich mir dann auch mal das Programm der Verläge in eigener Sache angeschaut. Es gibt so coole kleine Verläge in Deutschland, die anders als die großen Verläge auch sehr spannende Sachen drucken, die vom Mainstram abweichen.
Das beste am SERAPH war übrigens, dass die Reden immer sehr witzig waren und dass es danach Sekt und Cupcakes für alle gab. Die Cupcakes waren unglaublich lecker. Da kann der Preis der Leipziger Buchmesse nicht mithalten!
Außerdem war ich froh nur donnerstags und freitags dort gewesen zu sein. Der Donnerstag ist immer der beste Tag. Man kann durch die Gänge laufen, ohne das man an anderen Menschen aneckt. Freitags ist das leider schon nicht mehr so. Man muss sich ab und an durch die Gänge schieben. Samstags wird das dann nur noch schlimmer. Ich war sehr froh, dass sie Freitag noch nicht von den "Einbahnstraßen" gebraucht machen mussten.


Insgesamt war die Leipziger Buchmesse eine tolle Erfahrung, sowohl als Literaturjournalistin und Autorin. Ich kann beides sein. Nur eben nicht gleichzeitig.

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