Dämonen und so - Kapitel 3


Vielleicht doch zuviel Alkohol?




Zurück an der Bar trudelte Martin auch nach kurzer Zeit wieder ein und informierte sich über den Stand der Dinge.
„Sie ist Aphrodite“, beantwortete Emil seine Frage nur knapp.
Martin schaute ihn erst total perplex an und fing dann an zu lachen. „Nicht dein Ernst? Darauf sollten wir einen trinken!“
Zwei kleine Jägermeister später war Martin merkwürdigerweise auch wieder verschwunden und Emil konnte sich einfach nicht erinnern, wohin er gegangen war.
Er tippte etwas mit den Fingern auf der Tischplatte herum, bis er merkte wie jemand ihn von der Seite ansprach:
„Hallo, Lebensretterfrosch.“
Emil wandte sich um und sah vor sich das Mädchen mit den grünen Augen und dem schwarzen Haar.
„Na, ohne dich hätte ich das Klo nicht gefunden.“
Genau, er erinnerte sich.
„Ich bin übrigens Lilian. Und? Hast du deine Prinzessin des Abends schon gefunden?“
Ihre Augen glänzten in dem schummrigen Licht und Emil konnte sich kaum darauf konzentrieren, was sie sagte. So tiefgrün waren sie, noch grüner als seine eigenen.
„Ich meinte, weil du als Froschkönig verkleidet bist...“
„Als was bist du eigentlich hier?“, fragte Emil, der immer noch nicht den Blick von ihren Augen abwenden konnte.
„Was bitte? Ist mein Kostüm so schlecht?“
„Nein, es ist nur ...“ Emil betrachtete das schimmernde Krönchen in ihrem Haar. „Ich dachte erst an einen Vampir oder die Adams Family, als ich dich sah“, sprudelte es aus ihm heraus Erst danach fiel ihm auf, dass er sie damit höchstwahrscheinlich beleidigt hatte. Eine Prinzessin. Eine Prinzessin stellte sie da. Prinzessin, Prinz...
Doch anstatt sich aufzuregen, fing Lilian an zu lachen und grinste. „Dann muss ich mir nächstes Mal ein passenderes Kostüm anziehen.“
Emil hörte gar nicht mehr darauf, was sie genau sagte. In seinem Kopf wiederholte er nur noch immer wieder: Sie ist eine Prinzessin, Prinzessin. Seine Sicht lief nur noch in einzelnen Bildern ab. Sein Körper war taub, doch er spürte, dass er sich langsam zu ihr vorbeugte. Er stützte die Hände auf ihre Oberschenkeln ab und küsste sie einfach.
Ihre Lippen waren weich. Er hatte nicht einmal gewusst, wie die Lippen eines Mädchens sich überhaupt anfühlten. Instinktiv öffnete er seine Lippen, um sie richtig zu küssen, als er merkte wie ihm schwindelig wurde. Aus seinen Gliedern war plötzlich jegliche Kraft gewichen. Ihm war schlecht, richtig schlecht. Mit letzter Kraft öffnete er die Augen.
Alles was er sah, waren diese strahlend grünen Augen, die ihn entsetzt anstarrten. Dann wurde alles schwarz und er spürte dumpf wie er auf dem Boden aufschlug.


Das Erste, an das er sich wieder erinnerte, war dass es komisch roch. Als er die Augen aufschlug, wusste er auch warum. Alles um ihn herum war weiß und er lag in einem weichen Bett. Sie hatten ihn doch tatsächlich ins Krankenhaus gebracht! Aus dem Fenster fiel Licht herein und er schloss die Augen lieber schnell. Das helle Licht fühlte sich so an, als würde es direkt durch die Augen seinen Schädel verbrennen. Die Kopfschmerzen waren schlimmer, als er sie bei einem Kater in Erinnerung hatte.
„Willst du was trinken?“ Das war Martins Stimme und Emil öffnete die Augen einen Spalt breit. Sein bester Freund saß an seinem Bett.
Emil fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen und schluckte. Es schmeckte widerlich und er war froh, als Martin ihm das Glas reichte. Fast in einem Zug schluckte er das Wasser hinunter. Besser hätte ihm nur noch eine Aspirin getan.
„Nicht direkt weitermachen“, scherzte Martin. „Da ist kein Alkohol drin.“
„Danke für die Information. Das wäre mir so gar nicht aufgefallen“, entgegnete Emil trocken.
Martin schenkte ihm erneut ein und sah ihn dann ernst an. „Was war mit dir gestern los?“
„Ich weiß nicht. So viel habe ich gar nicht getrunken.“
„Nein, das mein ich nicht. Du kannst nicht einfach wildfremde Mädchen küssen!“
„Wieso nicht?“
„Du hast sie geküsst!“
„Ja und? Tust du das mit deiner Freundin nicht auch?“
„Ja ... wie soll ich dir das erklären.“ Martin rang nach Worten. „Sie ist eine Lesbe.“
„Na, das ist doch noch besser. Ich mag Lesben.“
„Du verstehst das nicht.“
„Richtig. Tue ich auch nicht. Was ist daran so schlimm?“
„War das eigentlich dein erster Kuss?“, warf Martin ein.
„Ja, ich denke schon.“
„So und jetzt zu ihr. Wie kommst du auf die Idee einfach ein Mädchen zu küssen?“
„Neidisch?“ Emil grinste.
„Nein.“
„Wirklich nicht? Nichtmal ein bisschen? Ich mein sie ist wirklich hübsch.“
„Findest du es nicht merkwürdig, dass du sie küsst und kurz darauf ohnmächtig wirst?“
„Doch schon, aber ich dachte, das wäre der Alkohol gewesen.“
„Ich zunächst auch.“
„Ich fand ihr Kostüm aber auch merkwürdig“, sprach Emil seine Gedanken aus.
„Wieso?“
„Mit schwarzen Haaren und grünen Augen als Prinzessin verkleidet.“
„Wie kommst du auf schwarze Haare?“ Martin sah ihn fragend an, als es an der Tür klopfte.
Ein Mädchen mit braunen, langen Haaren trat ein. Sie trug die Haare offen, weshalb ihr einige Strähnen ins runde Gesicht fielen. „Störe ich?“, fragte sie höflich. „Ich wollte nur sehen, ob es Emil wieder besser geht.“
Emil starrte sie wie ein Auto an. Wer war dieses Mädchen? Er kannte sie nicht einmal. Doch als sie näher kam, traf es ihn, wie einen Schlag. Sie war es, die er gestern Nacht geküsst hatte. Er spürte wie er knallrot anlief. Martins Miene verteinerte sich augenblicklich.
„Ich habe Schokolade mitgebracht, damit du schnell wieder auf die Beine kommst.“ Das Mädchen reichte ihm die Tafel. Wie hieß sie noch gleich? Lilly? Lina? Lilian! Das war's gewesen.
„Was hast du mit ihm angestellt?“ Martin wollte sie mit seinem Blick durchbohren.
Erschrocken sah sie ihn an, bevor sie lächelte. „Wie kommst du darauf?“
„Ach nur so“, meinte Martin und sein Blick war immer noch wie Eis.
„Ich bin nur hier, um mich bei dir zu entschuldigen. Ich hab dich fälschlicher Weise für schwul gehalten.“
Bitte was?! Deshalb hatte sie mit ihm gesprochen? Weil sie ihn für schwul hielt?
„Aha ...“, kam es nur von Martin.
„Ich denke, das ist kein Geheimnis, dass ich als Männerhasserin bekannt bin. Aber es war schön mit dir zu reden.“ Nur einen kurzen Moment sah sie Emil in die Augen. Er hätte sich fast wieder in diesem tiefen Blau verloren, als er stockte. Blau? Waren sie nicht gestern noch grün gewesen? Dann fiel es ihm ein: das Kostüm. Sie hatte sicher Kontaktlinsen getragen. Ihre Augen waren fast so schön, wie die von Marie.
„Ich geh wohl besser wieder“, sagte sie zögernd und wandte sich abrupt um.
„Ach hau doch ab!“, rief Martin ihr nach.
Ein stechender Schmerz fuhr durch Emils Kopf. „Au, nicht so laut.“
„Entschuldige.“
Die Tür fiel hinter Lilian ins Schloss.
„Was sollte das?“, fragte Emil entgeistert.
Martin zuckte die Schultern. „Es kam gerade so gut.“
Emil seufzte und schloss erschöpft die Augen.
„Um nochmal auf die  schwarzen Haare zurückzukommen. Wie kommst du darauf?“, fragte Martin nachdenklich.
„Na sie war doch als Vampirprinzessin oder so verkleidet. Sogar Kontaktlinsen trug sie.“
„Nein, eigentlich nicht. Sie sah gestern genauso aus wie gerade eben.“
Emil riss erschrocken die Augen auf. „Was?“
„Oh man, du hast doch gestern zu viel getrunken“, lachte Martin.
„Nein, so viel war das gar nicht, das ich getrunken habe.“
„Sie war ganz normal verkleidet, als Prinzessin“ Martins Stimme war ruhig und Emil glaubte ihmd. Sie hatte also genauso ausgesehen, wie er sie eben gesehen hatte. Da waren keine schwarzen Haaren und grünen Augen gewesen. Hatte er sich das alles nur eingebildet oder hatte der Alkohol seine Erinnerungen verzerrt? Was hatte das zu bedeuten?
„Ich glaube, du hast Recht. Ich war wirklich ziemlich besoffen!“

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