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Dämonen und so - Kapitel 7


Schon wieder eine Party?!
„Bist du dir sicher, dass du schon wieder Alkohol trinken kannst?“, fragte Martin Emil und sah dabei nicht besonders überzeugt aus.
„Natürlich. Ich nehm doch kein Antibiotikum. Außerdem hast du mich hierher geschleift!“ Er griff nach dem Glas Bier.
Noch bis Mitte der Woche hatte Emil flach gelegen, doch dann war Martin heute morgen mit der Geburtstagsfeier von der Schwester einer Freundin seiner Freundin Nicki gekommen. Merkwürdige Sache. Besonders da besagte Schwester zufälligerweise auf das Mädchengymnasium ging. Emil hatte sie bis jetzt noch nicht einmal gesehen, auch wenn er hier scheinbar auf ihrer Party war.
„Ich hasse Parties“, seufzte er. „Warum lasse ich mich jedes Mal aufs Neue überreden?“
„Weil ich den Netzstecker deines Rechners habe“, grinste Martin.
„Ich lass dich nie wieder allein in meinem Zimmer!“ Emil starrte ihn böse an bis ihm plötzlich auffiel: „Nebenbei. Was macht eigentlich Ina hier?“
Ina, die gerade an ihrem Glas Kiba schlürfte, sah erstaunt auf. „Wieso? Ich dachte, das wäre klar! Ich pass auf, dass dich nicht wieder ein Dämon angreift!“, sagte sie mit einer Verständlichkeit, als würde das alltäglich passieren.
„Aber mich hat doch überhaupt kein Dämon angegriffen!“, jammerte Emil.
„Das behauptest du!“ Sie setzte wieder einmal ihren „Wiedersprich-mir-bloß-nicht-sonst-bist-du-tot“-Blick auf und Emil verstummte. Von einer Sekunde auf die Andere lächelte sie wieder zuckersüß.
Sie konnte einem wirklich Angst machen. Bestimmt würde, wenn wirklich ein Dämon auftauchen würde, er schreiend vor ihr reiß aus nehmen.

Emil lachte leise bei dem Gedanken daran und ließ den Blick über die Menge schweifen, bis sein Blick an einem Mädchen hängen blieb, das er glaubte zu kennen. Er kniff die Augen leicht zusammen und fragte sich noch, woher er sie kannte, als sie auf einmal den Kopf zu ihm wandte.
Erst jetzt erkannte er das zierliche Gesicht umrahmt von den weißblonden langen Haaren. Es war das Mädchen, das er letztens vor dem Mädchengymnasium gesehen hatte und sie sah direkt in seine Richtung. Irritiert beobachtete Emil, wie sie sich von ihren Gesprächspartnern abwandte und auf ihn zu kam. Kam sie wirklich auf ihn zu? Er warf Martin einen kurzen Blick zu als sie plötzlich auch schon vor ihm stand und ihn mit ihrem Blick durchbohrte. Dann sagte sie lächelnd:
„Hallo, Emil. Hallo, Martin. Hi! Dich kenne ich noch nicht!“ Sie streckte Ina die Hand hin. „Ich bin Sonia. Gefällt's dir hier?“
Ina sah sie ein paar Sekunden verdattert an, bis es aus dieser heraus platzte: „Natürlich!“ Ihre Augen begannen zu funkeln. „Das Haus ist der Wahnsinn! Du wohnst wirklich hier?“
Sonia kicherte und stimmte ihr nickend zu. Bei Emil fingen währenddessen die Räder im Kopf an zu rattern.
„Das ... ist deine Party!“, stieß er aus.
„Richtig!“, lachte sie.
Emil erstarrte. Er hatte sie doch nicht gerade wirklich zugegeben, dass er keine Ahnung hatte auf wessen Party er war. Am liebsten wäre er sofort im Boden versunken.
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“, hörte er Ina freudig sagen.
„Herzlichen ...“, nuschelte er nur und wagte es überhaupt nicht aufzublicken.
„Dankeschön. Wie gesagt ich hoffe euch gefällt die Party. Ist schließlich mein 16.!“
„Super Sweet Sixteen!“, quietschte Ina.
„Sowas in der Art“, gab Sonia amüsiert zu.
„Das ist sooooo cool!“
Dann fingen Sonia und Ina an zu schnattern und Emil wagte Martin einen Blick zuzuwerfen. Dieser zuckte nur grinsend mit den Schultern.
Wieso hatte Martin ihm nicht erzählt auf wessen Party er eigentlich war? Und warum hatte Emil auch nicht selbst gefragt? Er ärgerte sich über sich selbst.
Martins Stoß mit dem Ellbogen in Emils Seite, riss diesen aus seinen Gedanken. „Sie nimmt's dir nicht übel“, flüsterte er und schenkte Emil ein aufmunterndes Lächeln.
„Woher willst du das wissen?“
„Das wäre nicht ihre Art.“
„Aber sie ist doch nur die Schwester einer Freundin von deiner Freundin oder so.“ Emil stockte und sah sich um, ob die beiden Mädchen noch da waren, denn er hörte sie nicht mehr. Die Beiden waren mittlerweile schon zusammen abgezogen.
Erleichtert atmete Emil auf, als er sich wieder Martin zu wandte. Er bemerkte nicht einmal, dass Martin ihm keine Antwort darauf gab, denn eine andere Sache beschäftigte ihn:
„Wer ist diese Freundin von Nicole eigentlich? Nicht dass sie auch gleich noch vor mir steht.“
„Sie ist doch mit ihr in den USA“, winkte Martin lächelnd ab. „Außerdem hättest du sie auf Anhieb erkannt.“
„Warum?“
„Sie hat die gleiche Haarfarbe.“
„Ah ... könnte ich die Beiden verwechseln?“, fragte Emil besorgt.
„Sie ist doch eh das ganze nächste Jahr nicht da.“
„Oh ja. Stimmt.“
Dann schwiegen sie einige Zeit in der Emil fröhlich an seinem Bier nippte. Den Geschmack hatte er wirklich irgendwie vermisst. Das letzte Mal, als er Bier getrunken hatte, war an diesem Abend gewesen, als er Lilian geküsst hatte. Der Gedanke daran ließ einen Schauer über seinen Rücken laufen. Vermisste er eigentlich das Gefühl jemanden zu küssen? Vorsichtig berührten seine Fingerspitzen seine eigenen Lippen. Er konnte sich nicht einmal richtig daran erinnern.
„Denkst du gerade an Marie?“, fragte Martin und Emil zuckte unwillkürlich zusammen.
„Wie kommst du darauf?“, stotterte er.
„Du sahst so verträumt aus. Mach dir einfach keine Gedanken. Die Frauen reißen sich um dich!“
Emil lachte trocken auf. „Klar.“
„Nein wirklich. Hast du nicht gesehen wie Sonia dich gerade angesehen hat?“
„Sie hat Ina genauso angesehen!“
„Dann kommt Ina wohl auch gut bei Frauen an.“
„Wer's glaubt ...“ Emil hustete ungläubig.
„Nimms doch nicht gleich so ernst“, lachte Martin. „Übrigens, erste Party ohne Marie und Lilian!“
„Zweite Party überhaupt“, murmelte Emil.
„Du kommst auf den Geschmack.“
„Es wäre wirklich lustiger, wenn wir beiden was trinken gehen würden ... nicht auf dieser Party ...“ Emil wusste nicht einmal warum er das sagte, doch er mochte keine Parties. Er hatte sie noch nie gemocht.
„Worauf warten wir dann noch? Wo möchtest du hin?“
„Aber du wolltest doch hier unbedingt hin“, stammelte Emil verdattert.
„Ach egal. Sonia hat ja gesehen, dass wir da waren. Jetzt können wir auch wieder gehen.“
„Das ist nicht gerade sehr nett, aber es gefällt mir!“
„Und das Beste daran ist, wir werden endlich Ina los!“
Emil atmete einmal tief ein und aus. „Jap. Stimmt. Ist angenehm ohne ihren Blick im Nacken.“
Martin grinste und schob Emil Richtung Tür.

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