Dämonen und so - Kapitel 4


Die Expertin

Die ganze nächste Woche hatte Emil das Gefühl, die anderen Schüler würden ihn auslachen. Vielleicht hatte er gar nicht so unrecht, war es scheinbar allen in Erinnerung geblieben, dass Freitag gegen halb eins plötzlich die Musik verstummt war, die Beleuchtung angesprungen und Rettungssanitäter sich durch die Menge geschoben hatten.
Und das war nicht einmal das Schlimmste. Dass er an dem Abend den Alkohol nicht vertragen hatte, war eine Sache, die schnell wieder verfliegen würde. Das Gerücht, dass sich jedoch hartnäckig hielt, obgleich es nun tatsächlich wahr war, dass Emil, die unter den meisten als Männerhasserin bekannte Lilian geküsst hatte, war deutlich das größere Übel.
Einige behaupteten auch fest, sie hätte ihm dabei die Seele abgesaugt und er sei deshalb zusammen gebrochen. Was natürlich vollkommener Blödsinn war.
Doch genau das rief auch Ina auf den Plan. Die freche Brillenträgerin, die es sich als selbsternannte Dämonenexpertin einfach nicht nehmen ließ, Emil weiter auf die Pelle zu rücken.
„Manslaughter Lilian?“, rief sie erstaunt aus, sodass Emil glaubte, der ganze Schulhof hätte sie gehört.
„Ja verdammt“, zischte er und rieb sich das Ohr. Ina war das, was ihm gerade noch gefehlt hatte und seine Lage nahm sie auch nicht gerade ernst, indem sie sich nun vor lachen kugelte.
„Was ist denn nun mit ihr?“, fragte Emil leicht genervt an seinem Freund Martin gewandt, doch Ina antwortete ihm:
„Sie ist ne Lesbe.“
„Ja das weiß ich doch schon und sonst?“
„Sie hasst Männer!“
„Weiß ich.“ Emil verdrehte genervt die Augen. „Ihr könnt mir auch nicht sagen, was so schlimm an ihr ist, oder?“
„Ich hab doch gar nichts ...“, begann Martin, doch Ina war wieder einmal schneller:
„Sie hat dir deine Seele ausgesagt!“
Emil verdrehte genervt die Augen. Er wollte etwas erwidern, doch ihm fehlten die richtigen Worte.
„Aber denn...“, begann Martin grübelnd, „Du bist ohnmächtig geworden.“
„Hab ich doch schon gesagt. Der Alkohol ...“

„Emil. Wie lange kennen wir uns jetzt schon?“
Emil musste einen Moment lang überlegen und zählte dann die Jahre an den Fingern ab, bevor er ausrief: „Acht Jahre!“
„Und wie oft bist du in den Jahren von Alkohol zusammen gebrochen?“
Emil zählte es wieder an den Fingern ab, doch er kam nicht weit: „Einmal... nein, da bin ich nur auf dem Weg eingeschlagen.“ Einen Moment war Stille. „Nein, eigentlich nicht.“
„Hinzu kommt diese Sache mit dem Gruselkostüm.“
Ina sah ratlos drein, doch langsam begannen hinter ihren Brillengläsern ihre Augen vor Neugier zu hüpfen. „Was für eine Sache?“ Mit geschickten Fingern schob sie ihre Brille fachmännisch ihre Nase hinauf.
„Ach, ich hatte mich nur daran erinnert, dass sie schwarze Haare hatte. War vielleicht das Licht“, tat Emil die Sache ab.
„Vielleicht ist sie doch ein Vampir!“, rief Ina aus.
„Nein, dann hätte sie ihn gebissen.“ Martin seufzte genervt. „Ina, so kommen wir nicht weiter. Es wäre nett, wenn du dich aus unserem Umfeld entfernen könntest. Deine Beiträge sind mehr als kontraproduktiv.“
Emil schüttelte nur den Kopf und sah hinauf in den blauen Himmel. Er seufzte laut bevor er sich wieder den Beiden zu wandte. Ina funkelte Martin nun böse an, während dieser mit verschränkten Armen versuchte dies zu ignorieren.
„Was denkst du, Emil?“, fragte er.
„Ich dachte nur gerade daran ...“ Ja woran hatte er überhaupt gedacht? „... dass ich sie vielleicht noch einmal treffen sollte. Ich hatte gar nicht die Gelegenheit, mich für die Schokolade zu bedanken.“
„Und wie willst du sie finden?“, fragte Martin, doch Ina unterbrach in abermals:
„Sie geht auf das Mädchengymnasium am Brückchenpark!“
„Ach, Emil, lass es doch. Du hast doch Marie!“, versuchte Martin schnell zu sagen.
Emil sah ihn nur verdutzt an. „Wie kommst du plötzlich darauf?“ Er merkte wie er rot anlief. „Du warst es doch, der die Sache merkwürdig fand.“
„Ja, aber ich mache mir Sorgen. Was, wenn du das nochmal versuchst?“
„Was denn?“, fragte Emil perplex.
„Sie zu küssen.“
„Du bist wirklich neidisch, oder?“
„Überhaupt nicht!“
Emil wollte gerade etwas entgegnen, als er ein Summen von der Seite vernahm. Er drehte sich zu Ina um, welche die Finger in beide Ohren gesteckt hatte und mit dummem Gesichtsausdruck vor sich hinsummte. Als sie den Blick der Beiden wahrnahm, verstummte sie und ließ die Finger sinken.
„Ist was? Ich dachte nur ihr wolltet das unter euch klären.“

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