Alice - Kapitel 2


Ericsson

Stumpfe Schläge auf Metall hallten an ihrem Ohr wider, als sie erwachte. Sie wurden immer lauten und schmerzten in ihrem betäubten Schädel.
Alice versuchte den Kopf zu drehen, doch ihr Körper kam nicht hinterher. Im ersten Moment dachte sie, dass sie lähmt wäre, doch nach einiger Zeit stellte sie fest, dass ihre Hände an ihrem Rücken gefesselt und ihre Füße am Boden fixiert waren. Dies ließ ihr nur wenig Spielraum sich zu bewegen. Sie zog und zerrte kurz daran, dann gab sie es auf.
Als sie sich umblickte erkannte sich nichts außer Metall um sich herum. Es war eine kleine Zelle, kaum mehr als zwei Quadratmeter. Und alles aus Metall. Das war zu erwarten gewesen. Er kannte ihre Schwachstelle.
Einige Male stieß sie schnaubend die Luft aus. Sie war blindlings in die Falle gelaufen. An der Nase herum geführt vom obersten befehlshabenden Offizier. Ruckartig zog sie noch einmal an ihren Ketten, um ihrem Ärger Luft zu machen.
Es war kaum einmal vier Wochen hergewesen, da hatten sie Soldaten in aller Öffentlichkeit abgeführt. Erst hatte sie gedacht, dass es um sie als Irrwar geschehen war, dass jemand geplaudert hatte, dass sie nicht den anerkannten Rassen angehörte. Doch schnell stellte sich herraus, dass nur der Kommandant Elysion nach ihr verlangt hatte. Sie brachten Alice zu ihm, wo er ihr sein Angebot unterbreitete, sie sollte doch den größten Schatz aus dem verfluchten Berg holen. Sie würde es im Auftrag des Rates tun. Hatte ihr Heldenmut sie etwa so blind gemacht?

Sie hatte wirklich gedacht, dass sie damit etwas bewegen konnte? Einen heiligen Gral finden, der die gesamte Bevölkerung vor Krankheit heilt? Was hätte da unten denn schon so tolles sein können?
Nein, er hatte sie nur auf die Probe stellen wollen und dabei hätte er sie durch seine Dummheit fast umgebracht. Na da hatte er aber Glück gehabt, dass sie überlebt hatte. Wenn sie hier rauskäme, würde sie ihn fertig machen. Er würde schon sehen, was sie mit ihm anstellen konnte.
Sie hörte ihn noch genau sagen, dass sie die richtige für den Job sei. Die einzige, die ihn so ausführen konnte. Ericsson hatte ihr Honig um den Mund geschmiert und sie hatte es geglaubt.
Er hatte die ganze Zeit gewusst, dass sie eine Irrwar war. Aber was hatte er mit ihr vor?
Hätte er vorgehabt sie einzusperren hätte er es direkt getan. Sollte das ganze Spektakel nur ein Test gewesen sein, um sich von ihrem Fähigkeiten zu überzeugen? Aber warum hatte er sie dann so plötzlich überwältigt und sie beinahe getötet. War er einfach zu dumm? Hatte er nicht gesehen, dass es gefählich war? Oder hatte er es bezweckt?
So viel sie auch üebrlegte, sie kam zu keinem Ergebnis. Es machte keinen Sinn, zumindest keinen eindeutigen und logischen.
Doch sie hatte viel Zeit darüber zu grübeln. Denn hier, umgeben von Metall funktionierten ihre Fähigkeiten nicht. Es war Ironie des Schicksals, dass ein verarbeitetes Elemente ihre Kräfte unterdrückte, wo doch auch die Menschen, die die Technik brachten, anfingen anderer Rassen zu unterdrücken. Doch im Grund genommen war ihr das egal. Ihr Volk war ihr gleich, sie war nie unter Irrwaren aufgewachsten sondern unter Menschen. Sie hegte eigentlich keinen Hass gegen sie. Nur gegen diese Spinner vom Rat und Militär.
Sie hatte sie gehasst seit sie ein Kind gewesen war. Diese Überheblichkeit, ihr ganzes Auftreten hatte ihr missfallen und das Bild hatte sich seitdem statt sich zu verbessern eher verschlechtert. Es war zu einer Abneigung geworden, die sie von vorne herein jedem gegenüber brachte, der einen Posten in diesen Kreisen inne hatte, obgleich wer er war.
Und wieder einmal hatte sich diese Haltung bestätigt. Ericsson war das Beste Beisiel dafür. Gerade als sie angefangen hatte ihre Meinung zu überdenken. Na, schönen Dank auch.
Einige Male versuchte sie gegen den Boden zu treten, doch als die fehlschlug ließ sie es bleiben und versuchte lieber die Beschaffenheit des Raums auszumachen.
Die Wände waren durch Schweißnähte deren Ritzen frische Luft hinkommen konnte. Doch ihre Fixierung ließ es nicht zu, überhaupt näher an die Tür zu kommen.
Also lag sie einfach da und wartete, bis jemand kommen würde.  Es dauerte eine halbe Ewigkeit. Beinahe glaubte sie man, hätte sie hier vergessen, da hörte sie, wie sich die Tür öffnete. Jemand trat in den Raum und löste ihre Fixierung am Boden. Er zog sie unsanft auf die Beine und erst jetzt konnte sie den Typen erkennen. Es war ein Soldat, dessen Gesicht komplett hinter seinem Visir verschwand. Sein Griff war so fest, dass es an den Armen weh tat.
„Gehts auch ein bisschen feinfühliger?“, blaffte Alice ihn an.
Doch er antwortete ihr nicht, sondern stülpte stattdessen Alice einen Sack über den Kopf, den er um ihren Hals fixierte.
„Na super. Noch mehr Fesselspielchen?“, fragte sie gelangweilt. „Da stehe ich drauf!“
Wider gab er keine Reaktion von sich, sondern buxierte Alice nun,, sie fest im Griff haltend, zur Tür hinaus.
Der Weg den Gang entlang war nicht besser. Immer wieder zerrte er an ihr, obwohl sie sich nicht einmal wehrte. Sie wusste er würde sie zu Ericsson führen. Genau dort wollte sie doch auch hin. Er sollte sich nicht so anstellen. Irgendwann fing sie an, sich absichtlich zu sträuben und widerstand zu leisten, denn das brachte den unerfahrenen Soldaten noch mehr aus dem Konzept, der dies nur mit einem festeren Griff zu erwidern wusste.
Spätestens nach der fünften Keilerei mit dem Soldaten bemerkte Alice, wie lang der Weg sich doch hinzog. Sie waren auch niemand anderem begegnet, dass hätte sie gehört.
Ein ungutes Gefühl beschlich sie. Etwas war faul hier. Er brachte sie nicht zu Ericsson.
War er etwas ein Kopfgeldjäger? Alles war ihr lieber, als einem Kopfgeldjäger in die Hände zuf allen. Sogar Ericsson und dem Militär bei ihren Spielchen zu helfen.
Man sagte Kopfgeldjäger, wären die Übelsten im ganzen Universum.
Zu ihrem Glück erinnerte sie sich daran, dass sie schinbar an ein sehr unerfahrenes Exemplar geraten war. Er war zwar gut darin sich irgendwo einzuschleichen, aber was die Brutalität anging war er zwar hart, aber unüberlegt. Sollte sich irgendwann eine Möglichkeit ergeben konnte sie ihn mit Leichtigkeit ausschalten. Doch im Moment hielten sie die Fesseln noch davon ab. Er musste sie nur irgendwann losbinden dann würde sie zuschlagen.
Sie  hörte, wie die Umgebungsgeräusche sich änderten. Der Gang wurde breiter. Dann das Geräusch einer Schleuse. Sie hatte also richtig gelegen, er brachte sie hier raus. Was konnte sie sich mehr wünschen?
Sie passierten eine Schläuse, das Geräusch war unverwecselbar. Der Kopfgeldjäger hatte sich scheinbestens drauf vorbereitet. Erzählte ihnen etwas von Gefangentransport zum Rat nach Fienix. Er hatte sich scheinbar gut drauf vorbereitet. Alice staunte nicht schlecht, als diese plumpe Lüge scheinbar wirklich zog.
Danach folgte das übliche Prozedere. Er schubste sie hoch in sein Raumschiff und setzte sie auf einen Sitz. Der Jäger schnallte sie sogar an. Wie zuvorkommend.
Dann verschwand er. Sie hörte wie die Motoren starteten und sie langsam abhoben.
Alice hasste das, was jetzt kam. Obwohl es in ihrem Sack dunkel war presste sie die Augen aufeinander.
Als der Antrieb ansprang drehte sich ihr Magen um. Sie wurde von dem Schwung in ihren Sitz gedrückt. Alice glaubte, dass sich gleich übergeben musste, doch ihr Magen war leer und so würgte sie nur.
Der Abflug war schnell vorbei, doch sie konnte sich nicht so schnell erholen. Sie hustete und würgte. Alles drehte sich in ihrem Kopf. Sie hasste diese Hyperantirebe, nein sie hasste sie abgrund tief.
Nur nebenbei merkte sie wie der Soldat wieder in den Raum kam. Sie erkannte ihn an seinem Schritt. Doch sie war viel zu beschäftigt damit gengen ihren Schwindel anzukämpfen.
Der Sack wurde ihr vom Kopf genommen und sie schnappte nach frischer Luft, welche den Schwindel ein wenig besser machte.
Dann merkte sie wie der Jäger sich an ihren Fesseln zu schaffen machte. Es ging so schnell, dass sie es erst gar nicht bemerkt hatte, doch nach einem kurzen Moment war sie voll wieder da.
Ihre Übelkeit war vergessen, noch bevor der Mann sie wieder packen konnte, war sie aufgesprungen. Hatte ihn gepackt und mit Schwung gegen die nächste Wand gedrückt. Die Luft wich aus seinen Lungen und sie knallte noch einmal seinen Kopf hinterher. Ein fester Schlag auf den Solar Plexus und der Soldat röchelte und ging sofort in die Knie.
Schwach für einen Kopfgeldjäger, dachte sie und setzte zum neuen Schlag an, als sie ihren Namen hörte. Ihren richtigen Namen: Alena.
Verwundert hielt sie in ihrer Bewegung inne.
„Alena“, sagte der Mann nocheinmal mit schwacher Stimme. Woher kannte er ihren Namen?
Sofort griff sie nach dem Visir und riss es auf. Erschrocken ließ sie den Mann sofort los, als sie das Gesicht erkannte.
„Tajo? Was tust du hier?“, rief sie aus und stellte direkt fest, wie blöd diese Frage doch war.
„Dich da raus holen.“ Ein verschmitztes Grinsen ging über sein Gesicht, bevor er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Knie ging.
Alena schlang beherzt die Arme um ihn und schob ihn zu dem Sitz, auf dem sie gerade noch gesessen hatte.
„Warum sagst du mir nicht einfach, dass du es bist? Dann hätte ich dir nicht weh tun müssen.“
„Ich dachte du seist immer noch fertig vom Hyperantrieb. Das klang ziemlich heftig.“, keuchte Tajo zwar immer noch, aber es wurde langsam besser.
„Das war eine dumme Idee von dir.“ Sie kniete sich vor ihn. Es kam schwer über ihre Lippen, doch sie zwang sich trotzdem dazu es auszusprechen. „Aber ich danke, dass du dir Sorgen gemacht hast.“
Alena kannte Tajo und sie schätzte es, dass er scheinbar für die durchs halbe Universum gereist war, um sie zu befreien. Doch er hatte ihr gleichzeitig die Gelegenheit genommen Ericsson direkt gegenüber zu treten, um herauszufinden, warum das alles geschehen war. Warum er sie in diesen Berg geschickt hatte. Doch jetzt saß sie da mit nichts, ohne eine leiseste Ahnung und auf der Flucht.
„Alena?“, hörte sie Tajos Stimme. Sie musste wohl in den Gedanken versunken sein.“Was ist?“
„Nichts.“ Alena richtete sich auf. „Wo hast du überhaupt das Raumschiff her?“
„Vom alten Purkes. Der schuldete mir noch was.“
„Du warst in letzter Zeit auf Emion?“, fragte sie erstaunt. Sie waren beide auf Emion aufgewachsen, doch bachdem er mit seiner Ausbildung in der Kirche angefangen hatte und sie zur Schatzjägerin geworden war, war keiner mehr von ihnen oft dort gewesen.
„Ich war auf Emion, um herauszufinden, dass du nicht dort warst und wieder auf Emion, um das Raumschiff zu holen, als ich erfuhr, dass du seit deinem letzten Aufbruch verschwunden warst.“
„Da warst du aber schnell“, erwiderte Alena sarkastisch.
„Wieso? Ich hatte doch genug Zeit?“
Das machte Alena stutzig. „Wie Zeit?“
„Ich weiß nicht, ob für dich sechs Wochen eine kurze Zeit sind. Aber ich denke, das das genug Zeit...“
„Sechs Wochen?“, fuhr sie ihm ins Wort.
Er nickte nur.
„Sechs?“, wiederholte sie. „Wie soll ich sechs Wochen lang in dieser Zelle überlebt haben?“ Doch dann stockte sie. „Ich habe nicht überlebt.“
„Wovon redest du?“
„Ich war tot.“ Sie fühlte sich mit einem Mal so leer. „Ich bin tot.“
„Alena, beruhig dich erstmal.“ Tajo versuchte nach ihr zu greifen, doch sie wich zurück.
„Der Auftrag, den ich erhalten habe, war eine Fall.“, versuchte sie eine Erklärung anzufangen, doch es war schwer, denn sie verstand es selbst noch nicht ganz. „Ich habe meinen Geist von meinem Körper gelöst, um das zu finden, was ich suchte, doch da war nichts. Dann haben sie meinen Körper genommen und...“ Sie stockte erneut. „Die Verbindung brach ab. Doch als ich wieder erwachte, war alles normal. Bis auf, dass wahrscheinlich sechs Wochen dazwischen langen.“
„Wie lange warst du in dieser Zelle?“
„Ich habe keine Ahnung“, gab Alena zu. „Ich bin nur einige Zeit, bevor du kamst dort aufgewacht. Einige Stunden, ein paar Tage vielleicht.“
„Aber du kannst nicht tot sein, du stehst vor mir!“ Er legte die Hände auf ihre Schultern und sah sie eindringlich an.
„Tajo? Wer fliegt das Schiff?“, fragte Alena plötzlich ernst.
„Der Autopilot.“
Sofort riss sie sich von ihm los und eilte aus dem Raum. Sowas dummes konnte auch nur Tajos Idee gewesen sein.
Alena stürmte in das Cocpit und ließ sich geschickt auf dem Sitz fallen. Ein kurzer Blick auf die Displays verriet ihr, dass keine Gefahr bestand und sie sank erleichtert seufzend zusammen.
„Was war denn los?“, fragte Tajo, der in einigem Abstand zu ihr ankam.
„Du kommst auch nicht auf die Idee, dass wir verfolgt werden könnten?“
„Wieso sollten wir?“
Alena stieß die Luft aus und schüttelte den Kopf. Das saß Tajo ähnlich. „Du hast gerade einen wichtigen Gefangenen mitgenommen. Wie lange denkst du, dass das unbemerkt bleibt?“
„Scheinbar lange genug. Außerdem woher willst du wissen, dass du wirklich so wichtig warst?“, feigste er, während er sich auf den Sitz neben ihr sinken ließ.
Darauf wusste Alena keine Antwort und ließ es deshalb lieber bleiben. Sie wusste wirklich nicht, wie wichtig sie war. Aber alles deutete darauf hin, dass sie von Wichitgkeit gewesen war. Entweder sie hatten noch nicht gemerkt, dass sie von weg war oder sie brauchten sie wirklich nicht mehr.

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